Die Politik beeinflusst die Märkte

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Bild: Viviane Reding: „Die kulturelle Vielfalt bleibt der Reichtum Europas, und den müssen wir erhalten.“ Peter Brezinschek (l.) und Gastgeber Dir. Erich Ortner (RVS)

 

Stehen wir am Ende des Aktienzyklus, der vor zehn Jahren begonnen hat? Das Fazit von Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek: "Starke Schwankungen, bescheidene Erträge." Er rechnet mit einem "schwierigen zweiten Halbjahr".

 

Starke Schwankungen und weiterhin niedrige Zinsen: Das ist die Prognose von Brezinschek beim jüngsten Raiffeisen Salzburg Investmentabend über die Börsen im Jahr 2019. Während andere Analysten von einem „verhalten guten Jahr“ sprechen, oder davon, dass „kein Anlass zur Panik besteht“, sieht er das Problem vor allem in der Omnipräsenz der Politik auf den Finanzmärkten. Ein großes Thema in dem Zusammenhang sei der Brexit. Insbesondere auch deshalb, weil es für viele Betriebe um die Frage gehe, ob sie in Großbritannien bleiben können. Und der globale Handelskonflikt, in dem sich China und die USA matchen, sei ebenfalls ein wesentlicher Faktor.

 

„Die Politik spielt die Musik“

Die Gefahren für die Märkte gehen für den Experten von der Politik aus. Durch den Brexit und die Einführung von Zollschranken würden funktionierende Wertschöpfungsketten internationaler Unternehmen wie zum Beispiel der Autoindustrie zerrissen. Und der Konflikt zwischen den USA und China sei nur vordergründig ein Handelskonflikt, es gehe tatsächlich um den massiven Missbrauch von geistigem Eigentum, um Staatssubventionen der Unternehmen in China, um Technologieführerschaft und um globale Industriestandards.

In der Eurozone wiederum breche das Schuldenthema auf, sagt Brezinschek. Als Beispiel nennt er Italien und Frankreich. Nach vier Jahren mit guter Konjunktur würden nur zwei von 19 Ländern einen Budgetüberschuss aufweisen – Deutschland und die Niederlande. Italien sei mit 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschuldet, Frankreich mit 99 Prozent.

Brezinschek richtete seinen Blick auch auf die Börsenkapitalisierung. Allein die drei US-Internetgiganten Amazon, Apple und Microsoft seien 2028 Milliarden Euro wert. Hingegen kämen die 30 Unternehmen des Deutschen Index (Dax) mit 1045 Milliarden Euro nur auf die Hälfte.
Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum Österreichs sind nicht schlecht. 2019 soll es 1,3 % betragen. Die Amerikanische und Europäische Zentralbank haben die geplanten Zinserhöhungen nach hinten verschoben, es ist weiter viel Liquidität im Umlauf.

 

"Weiterhin glänzende Aussichten" sieht er für Immobilien, auch Gold blühe 2019 wieder auf. Langfristig führe aber an Aktien kein Weg vorbei, "die Kursschwankungen nehmen mit der Anlagedauer ab".

 

„Politiker als größte Risiken“

Trotz der negativen Auswirkungen zeige der Brexit den verbliebenen 27 Staaten der Union, wie wichtig es sei, zusammenzustehen. Erst der Brexit (und auch Trump) hätten die Europäer richtig zusammengeschweißt. Die Zustimmung in Europa sei nach einem Tief sehr schnell wieder gewachsen, weil die Menschen ein zusammenhängendes Europa haben wollen. Dies vor allem deshalb, weil sie glauben, dass die EU gut für ihr Land ist: Das war die mit großer Leidenschaft vorgetragene Botschaft der ehemaligen EU-Kommissarin Viviane Reding. Der Stargast aus Luxemburg bot ungewohnt offene Einblicke in die bizzare Brexit-Genese, die von den weltentrückten Eton-Boys bis zu Cambridge Analytica reichte. Ihr Fazit: „Die größten Risiken liegen im Handeln der Politiker.“ Die Folge: „Das Vertrauen der Bürger ist nicht mehr da. Es herrscht vielerorts Mißtrauen.“ Als glühende Europäerin fordert sie deshalb, „dass die EU stärker zusammenwachsen und zusammenarbeiten muss, weil es um die Verantwortung für die kommenden Generationen geht.“

 

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